TURMZUKUNFT – ZUKUNFTSTURM

Bachelorarbeit und Zwischenzeit, ein Überblick. 

Demnächst folgt die Masterarbeit.

 

Meine Masterarbeit baut auf meiner Bachelorarbeit „Herz der Stadt“ aus dem Jahr 2013 auf und beschäftigt sich mit der Zukunft des Duisburger Stadtwerketurms. Der alte Schornstein des Heizkraftwerks in Duisburg-Hochfeld soll abgerissen werden, da er seit letztem Jahr nicht mehr in Betrieb ist und der Erhalt 8 Mio. in 15 Jahren kosten soll. Was hier gerne unerwähnt bleibt sind die Kosten für den Abriss, die laut Stadtwerke Schätzungen im hohen einstelligen Millionenbereich – also nahezu im gleichen Bereich wie dem Erhalt liegen. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Erhalt des Schornsteins (der Turm ist 200 Meter hoch und wird seit 15 Jahren nachts grün beleuchtet) auseinandergesetzt, vor allem aus der emotionalen Sicht der Bürger und eine fiktive Bürgerinitiative gegründet, für die ich dann sämtliche Kommunikationsmittel gestaltet habe. Alles rund um die Initiative wurde geplant, es gab zwar schon vor meiner Bachelor-Zeit Leute die sich für den Erhalt stark gemacht haben, z.B. in Form von Facebook-Gruppen in denen zum Thema diskutiert wurde und es gab Einzelpersonen, die den Denkmalschutz vorangetrieben haben, aber es fehlte immer an einem Zusammenschluss und vor allem an Lösungen um als Gruppe wahrgenommen zu werden und eine Strategie wie vorgegangen werden könnte. Also erschuf ich in meiner Bachelorarbeit eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Herz der Stadt“. Neben dem Namen gestaltete ich, ein Logo, Flyer, Aufkleber, eine Internetseite, einen Facebook-Auftritt (facebook.com/Herzderstadt), diverse Merchandise-Artikel und Plakate. Zusätzlich erarbeitete ich ein Konzept wie diese Bürgerinitiative kommunizieren und Bürger aktivieren könnte.

Kurz vor dem Start des Masters im März 2014, gab es ein Medieninteresse, ausgelöst durch eine Pressemitteilung der Hochschule Niederrhein zur Werkschau (Absolventenausstellung des Fachbereich Design). Ich gab Interviews in Radio-, lokalen TV-Sendern und Zeitungen, in denen ich über meine Abschlussarbeit sprechen durfte. Durch eine Veröffentlichung in der BILD-Zeitung wurde sogar das Interesse von privaten TV-Sendern wie RTL und SAT1 geweckt, deren Angebote ich aus Zeitgründen ablehnte. Durch diese mediale Aufmerksamkeit ergab es sich, die fiktive Bürgerinitiative ins echte Leben zu holen, ich lernte Menschen mit ähnlichen Gedanken, was die Zukunft der Stadt betrifft, kennen. Außerdem bestätigte es sich, dass viele Duisburger den Turm ähnlich betrachten wie ich. Im April lud ich offiziell über die Internetseite, Facebook und in der Zeitung zu einem ersten Infoabend ein. Es fanden sich etwa 70 interessierte Bürger zusammen, denen ich meine Abschlussarbeit vorstellte, anschließend wurde über den Turm diskutiert und Möglichkeiten den Turm zu erhalten abgewogen. Die Stadtwerke hatten auch einen Vertreter geschickt, der sich aber nur an Hand seiner Aussagen, als solcher erkennen lies. Der von den Stadtwerken so sauber gestreute Zahlenkoloss „der Erhalt des Turmes kostet acht Millionen Euro in den nächsten 15 Jahren“, hat sich sehr schnell bei den Bürgern eingebrannt, selbst Turm-Fans bringen das Argument der Turm sei zu teuer für eine Stadt wie Duisburg immer wieder ein. Hier wird völlig außer Acht gelassen, dass der Abriss des Turmes auch sehr teuer, evtl. sogar noch teurer wird und diese Kosten logischerweise sofort anfallen werden.

Ein Erhalt würde zumindest die Finanzierung durch dritte möglich machen. Die hohen Kosten für den Erhalt werden bis heute nicht näher beschrieben und sind so immer das „Totschlag- Argument“ gegen den Turm. Zum Ende der Veranstaltung wurden Ideen gesammelt wie man auf das Problem noch weiter aufmerksam machen könnte, da vielen Bürgern wohl noch gar nicht bewusst ist das der Abriss eventuell bevor steht.

Im Laufe der Zeit wurde die theoretische Bachelorarbeit um Aktionen wie „Wer braucht schon Paris?“ erweitert, eine Fotoaktion die über die sozialen Netzwerke (www.instagram.com/herzderstadt und facebook.com/Herzderstadt) verbreitet wurde, mit verliebten Pärchen vor dem Stadtwerketurm, in Anlehnung an bekannte Bilder von verliebten Paaren in Paris mit dem EIffelturm im Hintergrund.

Im August machten wir einen Do-it-yourself-Stand auf dem Platzhirsch-Festival. An unserem Stand wurde kontrovers diskutiert, ob der Turm nun Wahrzeichen ist oder nicht und vor allem ob sich eine klamme Stadt wie Duisburg solchen Luxus überhaupt leisten darf. Außerdem wurden Shirts und Taschen bemalt und Postkarten an den Oberbürgermeister verschickt. Einer der Festival-Besucher war der Architekt Heinrich Hendrix, BDA (Bund deutscher Architekten) Rechter Niederrhein, der eine Podiumsdiskussion des BDA plante und mich kurzer Hand fragte ob ich mir vorstellen könnte mitzumachen.

Im November fand dann die Podiumsdiskussion zum Thema „Über die Stadt hinaus” statt, die Gäste neben mir waren Hendrik Trappmann, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung der Stadt Duisburg, Torsten Hiermann, Leiter der Kommunikation der Stadtwerke Duisburg, Thorsten Schrolle, Vertreter des Landschaftsverbandes Rheinland und Heinrich Hendrix der den Abend moderierte. Etwa vierzig Zuschauer kamen an diesem Abend ins Museum, was ich schon erstaunlich fand da kaum für die Veranstaltung geworben wurde. Thorsten Schrolle ließ durchblicken, dass der Turm wie im Antrag aufgeführt, durchaus unterschutzstellungswürdig ist, ganz gleich ob das für die Stadtwerke finanziell tragbar ist oder nicht. Der Stadtwerkevertreter konterte darauf, dass die Stadtwerke als Tochterunternehmen der Stadt die Verantwortung einfach der nächst höheren Instanz zu schieben werden und niemand könne doch wirklich wollen, dass die eh schon so mittellose Stadt Duisburg ein so teures Wahrzeichen aus rein nostalgischen Gründen erhalten müsse. Thorsten Schrolle antwortete auf eine Publikumsfrage, dass er von den Bürgern der Stadt mehr Einsatz erwarte, sie müssten die Politik unter Druck setzen, ein solches Projekt auch ein mal an zu packen. Alles ein bisschen wie im Kindergarten, anstatt gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten gehen die unterschiedlichen Behörden sich gegenseitig an. So empfand auch der anwesende Stadtplanungsdezernent Herr Trappmann keinerlei Verantwortungsgefühl, weder für den Turm noch für das umliegende Viertel – er könne sich schließlich nicht um alles kümmern.

Die Frage bleibt also: Wer kann sich denn kümmern und wer sollte? Das Gebiet um den Turm herum ist zum Teil in fragwürdiger Hand, die Rockerbanden Hells Angels und Bandidos teilen sich das angrenzende Rotlichtviertel. Auch dies scheint immer gerne ein Argument gegen die Aufwertung oder Umnutzung des Viertels zu sein, jedoch sehe ich gerade in diesem Fall Handlungsbedarf. Da auch dieses Viertel immer wieder ein Geschmäckle mit sich bringt, Duisburg hat die fragwürdige Ehre das größte Laufhaus Europas zu beherbergen, was meiner Meinung nach nicht noch weiter ausgebaut gehört, da dies garantiert abschreckend für normale Bürger ist. Ist es also eine Frage des bürgerschaftlichen Engagements die Entwicklungen in ihrer Stadt ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen?

Zum Ende des Jahres wurde ich von den Stadtwerken zur Turmbesichtigung eingeladen um mir persönlich ein Bild vom Zustand des Turmes zu machen, zu dieser Zeit wurde auch die Standsicherheit des Turmes geprüft. Im Anschluss diskutierten wir über den Erhalt des Turms und seine Bedeutung als Landmarke für die Stadt Duisburg. Die Stadtwerke machten aber auch deutlich ihren Standpunkt klar, dass sie sich nicht in der Pflicht sehen eine Landmarke für die Stadt zu erhalten auch ihren Kunden können sie dies nicht zumuten.

Soweit so logisch, aber sie sollten sich doch zunächst mal auf eine Diskussion darüber einlassen und die Möglichkeit in Betracht ziehen den Turm nicht abzureißen, sondern eine andere Lösung zu finden. In dem Gespräch wurde klar, dass die Stadtwerke auch noch etwas überfragt sind was die Zukunft des Turmes angeht, zum einen weil das Denkmalschutzverfahren noch immer läuft und zum anderen weil beide Optionen, Abriss und Erhalt, eine Menge Geld kosten werden. Am liebsten wäre ihnen auch jemand der den Turm einfach kauft, aber wer kauft schon ein marodes (seit Jahren wurde nicht mehr in den Erhalt des Turmes investiert, heute sind zumindest die drei Rauchgasröhren so beschädigt, dass sie abgebaut werden müssen) Bauwerk.

Aktuell läuft das Unterschutzstellungsverfahren der oberen Denkmalschutzbehörde. Wenn man davon ausgeht, dass der Turm unter Denkmalschutz gestellt wird, muss man schauen was man aus ihm noch machen kann. In meinen Augen kann eine Stadt wie Duisburg es sich aber tatsächlich nicht erlauben, einen im Erhalt so teuren Turm, einfach nur stehen zu lassen. Der Turm soll für die Bürger und Besucher der Stadt zugänglich und zum pulsierenden Kulturprojekt werden. Gibt man dem Turm eine Chance und erhält ihn, gibt ihm eine Aufgabe und sucht Sponsoren kann er sich auf Dauer evtl. selbst finanzieren. Ich hoffe, dass sich der LVR auf minimal äußerliche Veränderungen einlässt, wenn der Turm dadurch stehen bleiben kann und kein totes Gebäude wird, sondern ein Turm der eine neue tragende Rolle im Geschehen der Stadt Duisburg spielt. Er sollte eine zentrale Aufgabe im

Stadtbild übernehmen, so etwas wie DER höchste Aussichtsturm im Ruhrgebiet, etwas einzigartiges für die Stadt und das Umland. Im besten Falle ist der Turm so speziell, dass sogar die Dortmunder und Menschen aus den Nachbarstädten zum Turmbesuch kommen, weil der Ausblick noch schöner – weil höher – als in dem Café auf dem Florianturm ist. Die Lage des Turms in Duisburg ist perfekt – im Dellviertel (Innenstadtbereich), es gibt im Umfeld genügend Parkplätze und Parkhäuser, in nur wenigen Gehminuten befinden sich zwei Straßenbahnlinien und drei Buslinien, die über den Duisburger Hauptbahnhof alle Besucher, auch in das übrige Ruhrgebiet zurück bringen könnten. So ist der Turm innerstädtisch und auch von außerhalb gut zu erreichen, ein klarer Vorteil gegenüber seinen Landmarken Konkurrenten dem Tiger & Turtle Halden-Kunstwerk im Duisburger Süden und dem Landschaftspark Nord (der natürlich weit mehr als nur eine Landmarke in Duisburg ist) im Duisburger Norden. Heute ist der Turm als Landmarke bekannt, in Zukunft wird das ungemein helfen den Turm zu beleben, jeder sieht dieses Gebäude ständig, so kommt dann bei den Betrachtern auch immer wieder der Gedanke: „Was ist da wohl gerade los?/ Da könnte ich auch mal wieder hin“ und wird so die Besucher zum Turm führen. Offiziell heißt es oft der Stadtwerketurm ist nur ein alter Schornstein, niemand braucht ihn niemand – will ihn – doch wenn PEGIDA in der Stadt aufmarschiert befindet er sich plötzlich in einer Reihe mit dem Kölner Dom und dem Düsseldorfer Fernsehturm. Unter dem Motto „Licht aus für Rassisten“ wurde die Beleuchtung vom Stadtwerketurm und

Stadttheater abgeschaltet, zuvor war das in Köln und Düsseldorf mit deren Wahrzeichen im Innenstadtbereich geschehen, Duisburg beteiligte sich an eben dieser Aktion als die PEGIDA- Ableger zum ersten Mal in Duisburg spazierten. Ich finde es gut, dass Duisburg auch ein solches Zeichen setzt, bin aber zu gleich etwas belustigt, da oft von offiziellen Seiten und den Medien gesagt wird, dass dieser Turm überhaupt keine Rolle spielen würde. In solchen Momenten scheint er aber doch sehr wichtig zu sein, da man offensichtlich nichts anderes hat, was man ausschalten kann.

 

 

 

 

 

 

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